Arbeitnehmerüberlassung regional

Derzeit entwickle ich ein Tool, mit dem Zeitarbeitsfirmen regional eigene Marktanteile analysieren können.  Es wird mit einerseits mit Regionaldaten der Bundesagentur arbeiten und andererseits mit den Postleitzahlen der Zeitarbeiter der jeweiligen Firma. Getreu meinem Motto, dass Daten "sprechen" sollen, wird das Tool mit einer eingefärbten Landkarte arbeiten. Man kann also unmittelbar aufnehmen, wo die Firma stark im Markt ist und wo nicht. Wenn es soweit ist, werde ich mehr dazu schreiben.

 

Regionaldaten und Darstellungsmöglichkeit sind natürlich auch schon für sich interessant. Wie ist Zeitarbeit regional in der Bundesrepublik aufgestellt? Gibt es einen zufälligen Flickenteppich oder lassen sich Muster erkennen?

 

"Region" bedeutet in der Folge Landkreis oder kreisfreie Stadt. Die regionale Zuordnung von Zeitarbeitnehmern (und den sonstigen Beschäftigten für die Ermittlung der Zeitarbeitnehmer-Quote) habe ich über den Wohnort definiert. Das ist bei Zeitarbeitnehmern die deutlich bessere Wahl als die Alternative "Arbeitsort". Bei ihnen wäre "Arbeitsort" eben nicht der Einsatzort, sondern die Adresse des überlassenden Betriebs. Daher macht der Arbeitsort als Zuordnungskriterium für die Zeitarbeit wenig Sinn:  ein Zeitarbeitnehmer könnte so z.B. regional in Pforzheim zugeordnet sein, obwohl er dort weder wohnt noch arbeitet. 

 

Besser also die Zuordnung über den "Wohnort", das sich auch für die spätere Messung der Firmen-Marktausschöpfung hervorragend eignet. Hier ist das aktuelle Bild, Stand Juni 2018:


Anteil Zeitarbeit an Beschäftigung Juni 2018


Man sieht sofort, dass Zeitarbeit in aller Regel in den Städten stärker ist als in den umliegenden Landkreisen. Dadurch entstehen die vielen farbigen Tupfer. Bei der alternativen Zuordnung über "Arbeitsort" wäre dieser Effekt sogar noch ausgeprägter, denn viele Zeitarbeitsbetriebe finden sich in den Städten. Aber auch bei der Zuordnung per Wohnort ist - wie man sehen kann - der Stadt-Land Unterschied deutlich. Ich habe eine Reihe von Städten mit Namen versehen und hoffe, dass man sich so einigermaßen zurechtfinden kann. 

 

Von den Städten abgesehen gibt es eine Reihe von Gebieten, in denen Zeitarbeit deutlich stärker ist als im Rest der Republik. In der Grafik unten sind Sie hervorgehoben.


Was haben diese Gegenden gemeinsam? Es liegt nahe, einen Zusammenhang von Zeitarbeit und Arbeitslosigkeit zu vermuten. Der Job in der Zeitarbeit ist für Viele ja ein praktikabler Ausweg aus der Arbeitslosigkeit. Die nachfolgende Grafik stellt Arbeitslosigkeit dar und die orange-farbenen "Zeitarbeits-Hotspots" sind zur besseren Orientierung am gleichen Platz wie in der vorigen Grafik.



Für die drei nördlichen Gebiete scheint der Zusammenhang Zeitarbeit-Arbeitslosigkeit durchaus plausibel. Alle drei Zeitarbeitsregionen finden sich in Gebieten erhöhter Arbeitslosigkeit. In die andere Richtung funktioniert der Zusammenhang aber weniger gut: der Nordosten hat zwar bekanntermaßen hohe Arbeitslosigkeit zu beklagen, trotzdem gibt es dort nur wenig Zeitarbeit. Es fehlt wohl schlicht an einem Mindestmaß industrieller Aktivität, ohne die es auch die Zeitarbeit schwer hat.

 

Die südlichen "Zeitarbeits-Hotspots" zeigen - wie der gesamte Süden - nur geringe Arbeitslosigkeitsquoten. In Ostbayern ist die Arbeitslosigkeit zwar etwas höher als in Restbayern: das könnte schon eine gewisse Rolle spielen. Wichtiger scheint mir, dass das Bild dort von wenigen Großarbeitgebern geprägt wird. Z.B. Dingolfing-Landau: sehr geringe Arbeitslosigkeit und trotzdem die höchste Zeitarbeitnehmerquote der ganzen Bundesrepublik. Ein Zusammenhang mit dem BMW-Werk Dingolfing liegt nahe, wie auch in Regensburg und Landshut. Ich vermute ein ähnliches Muster in den anderen Landkreisen von Ostbayern samt Regionalzentren Cham, Amberg, Hof und Straubing. Falls Sie diese Regionen besser kennen, freue mich über einen Hinweis und werde das hier einarbeiten. Festzuhalten bleibt: das bayerische Jobwunder hat durchaus mit Zeitarbeit zu tun. 

 

Bei der Zeitarbeits-Region "Südlicher Rhein" ist ein Zusammenhang zwischen Zeitarbeit und Arbeitslosigkeit ebenfalls nicht perfekt gegeben. Rund um Frankfurt sind beide Phänomene relativ stark, weiter südlich ist der Zusammenhang weniger deutlich. Die gesamte Region ist stark von der chemischen Industrie geprägt (Hanau, Frankfurt-Höchst, Lampertheim, Darmstadt, Weinheim, Ludwigshafen). Die chemische Industrie ist nach Metall-Elektro die zweitstärkste industrielle Branche der Zeitarbeit und dürfte auf die Zeitarbeitsintensität in der Region einen Einfluss haben. Auch hier freue ich mich über einen Hinweis von Regionalexperten, wie es nach Ihrer Meinung zu dem erhöhten Zeitarbeitsniveau kommt.

 

Als Fazit lässt sich festhalten: Zeitarbeit folgt durchaus regionalen Mustern. Vollbeschäftigung einerseits und ländliche Prägung andererseits lassen eine eher geringen Anteil von Zeitarbeitnehmern an den Beschäftigten erwarten. Sofern eine Region aber industriell geprägt ist, kann Zeitarbeit offensichtlich einen wichtigen Beitrag leisten, auch in angespannten Arbeitsmärkten Beschäftigung zu schaffen. 

 

 

 

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Ich freue mich über einen Anruf oder eine Mail.

Jochen Garbers

jocega Consulting

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