Der Equal Pay Vergleichsrechner

Arbeiten Sie im Management einer Zeitarbeitsfirma? Dann habe ich eine Frage für Sie: wer ist der größte Konkurrent in Ihrem Markt? Randstad? Adecco? Manpower? Oder der regionale Wettbewerber, mit dem Sie sich immer wieder um Ihre Kunden streiten müssen?

 

Vielleicht überrascht es Sie (ich hoffe es), aber es sind vermutlich Ihre eigenen Kunden.  Es gibt tatsächlich deutlich mehr befristete Stellen als Stellen in der Zeitarbeit (siehe z.B. hier). Viele der befristeten Stellen finden sich im öffentlichen Dienst, insbesondere auch bei wissenschaftlichen Stellen. Aber auch in der Privatwirtschaft sind Befristungen "beliebt" und man darf sicher sein, dass sie auch dort viel häufiger vorkommen als Zeitarbeit.

 

Ich finde das überraschend, denn sowohl aus Arbeitnehmer- wie auch aus Arbeitgebersicht bietet Zeitarbeit erhebliche Vorteile gegenüber einer befristeten Anstellung. In meinem letzten Blog habe ich das ja schon aus der Arbeitnehmersicht betrachtet. Kurz gesagt hat ein Zeitarbeitnehmer erhebliche Vorteile, wenn es aus dem einen oder anderen Grund nicht  zu einem unbefristeten Arbeitsverhältnis kommt. In diesem Fall wird die Zeitarbeitsfirma mit ihren Kontakten und Know-how alles daran setzen, einen Folgeauftrag zu gewinnen. Die Zeitarbeitnehmer behalten ihr Arbeitsverhältnis und haben im neuen Einsatz noch einmal die Chance, den Traumjob endlich zu ergattern. Noch denken nicht alle Arbeitnehmer so, aber ich bin sicher, dass sich Zeitarbeit als attraktiver Zugang zu den attraktiven Arbeitgebern immer mehr herumsprechen wird.

 

Aber wie sieht es bei den Arbeitgebern aus? Haben Sie Gründe, eher mit Befristungen als mit Zeitarbeitsfirmen zu arbeiten? Es gibt sicherlich Konstellationen, in denen eine Kooperation mit Zeitarbeitsfirmen schwierig ist, als Beispiel fällt mir der akademische Bereich ein. Insgesamt aber ist festzuhalten, dass die Zeitarbeitsbranche im Markt "flexible Arbeitsverhältnisse" Potenzial liegen lässt und deutlich stärker werden kann. Stichworte sind: besseres Image, gezieltere Kommunikation für regionale Bewerber und Kunden, attraktivere Perspektiven für Bewerber.

 

Aber es gibt noch eine weitere wichtige Hürde, und um die geht es beim Equal Pay Vergleichsrechner. Die Branche muss ihre Kunden dabei unterstützen, die Kosten der Alternativen “befristete Anstellung” und “Zeitarbeit” fair miteinander zu vergleichen. Aus Kundensicht sind die Kosten für Zeitarbeit extrem transparent. Es gibt einen Verrechnungssatz und damit weiß man alles, was man wissen muss. Feiertage, Urlaub, Krankheit? Unwichtig. Arbeitgeberbeiträge für die Sozialversicherung? Egal. Kosten für Rekrutierung und Betreuung? Spielen keine Rolle. Die Zeitarbeitskunden wissen exakt, was eine produktive Stunde des Zeitarbeitnehmers mit allem Drum und Dran kostet. Nur dafür wird der Verrechnungssatz fällig.

 

Das ist Fluch und Segen zugleich, denn die Kosten der Alternative “befristete Anstellung” sind sehr  intransparent. Es gibt ein erhebliches Risiko, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen werden. Die Zeitarbeit ist mit diesem Problem auch ganz und gar nicht alleine. Alle Outsourcing-Dienstleister müssen sich damit herumschlagen, dass “make” im Vergleich zu “buy” oft zu günstig daherkommt.

 

Das liegt an drei Gründen: ein umfassendes und richtiges Bild der eigenen Kostensituation zu ermitteln ist 1.) aufwändig,  2.) von der Betrachtungsweise abhängig und 3.) nicht im Interesse aller Akteure beim Kundenunternehmen.

 

Aufwändig. Schon die Ermittlung der direkten Lohnkosten pro Stunde ist durchaus herausfordernd. Z.B. Krankheitsquote: ältere Arbeitnehmer werden öfter krank als jüngere, aber kann und will man das berücksichtigen? Das Hauptproblem liegt jedoch in der Zurechnung der eigenen Personalkosten. Dafür müsste man genau nachhalten, wie viel Arbeit tatsächlich in der Rekrutierung und Betreuung von Mitarbeitern steckt - eine Herkulesaufgabe. Da die genauen Kosten in der realen Welt kaum ermittelt werden können, lässt man es einfach ganz bleiben. Das ist ungefähr so, als wenn man bei einer Diät das Kuchenstück einfach nicht berechnet, weil diese Sorte in der Kalorientabelle nicht gelistet ist. Deutlich besser ist es, plausibel zu schätzen, und genau dabei hilft der Equal Pay Vergleichsrechner.

 

Von der Betrachtungsweise abhängig. Hier ist das Problem der berüchtigten “eh-da”-Kosten angesprochen. Spielen sie überhaupt eine Rolle für die Entscheidung? Die richtige Antwort hängt von der zeitlichen Perspektive ab. Kurzfristig sind die “eh-da”-Kosten fix, aber langfristig sind sie es keineswegs. Sind die Ressourcen einer Personalabteilung tatsächlich sinnvoll in der Anstellung befristeter Mitarbeiter eingesetzt, wenn diese Art von Stellen durch Zeitarbeitsfirmen flexibler und kostengünstiger besetzt werden kann?

 

Nicht im Interesse aller Akteure. Vielleicht ist aus unternehmerischer Perspektive die Antwort auf die letzte Frage “nein, befristete Arbeitsverhältnisse sind nicht sinnvoll, Zeitarbeit ist die bessere Alternative”. In der Personalabteilung sieht man das aber vermutlich "differenziert", denn natürlich wirkt sich die Entscheidung in dieser Frage auf Größe und Bedeutung der Abteilung aus. Ich möchte diesen Punkt nicht überbetonen, viele Personaler urteilen sicher gelassen und objektiv. Je nach Situation könnte es sich aber lohnen, den Punkt auch einmal direkt mit der Geschäftsführung anzusprechen.

 

Kommen wir also zum Equal Pay Vergleichsrechner. Er soll helfen, die (aus Kundensicht) internen Kosten der Anstellung befristeter Arbeitskräfte transparenter zu machen. Ich habe mich um möglichst einfache Eingabeparameter bemüht, mit denen man dem komplexen Thema trotzdem einigermaßen gerecht wird. Die Eingabeparameter sind im unteren Teil der Webseite erläutert, das brauche ich hier daher nicht noch einmal zu tun.

 

Ich stelle mir vor, dass man gemeinsam mit den Kunden realistische Werte für das jeweilige Kundenunternehmen eingibt und die Ergebnisse diskutiert. Aus dieser Übung werden die Kunden drei wichtige Botschaften mitnehmen: 1.) Zeitarbeit ist - auch unter Equal Pay Bedingungen - günstiger als gedacht, 2.) Zeitarbeit nimmt dem Kundenunternehmen erhebliche Risiken ab und ist 3.) auch als Rekrutierungskanal wettbewerbsfähig.

 

Zeitarbeit ist günstiger als gedacht. Wie der Kostenvergleich zwischen Zeitarbeit und befristetem Arbeitsvertag ausfällt, hängt von der jeweiligen Situation ab. Sie lässt sich über die Eingabeparameter des Kostenvergleichsrechners abbilden.  Obwohl es hier  unendlich viele Konstellationen gibt, wage ich eine Prognose: die meisten werden überrascht sein, wie gut sich Zeitarbeit in einem fair aufgesetzten Kostenvergleich schlägt. Und sofern für Zeitarbeit überhaupt ein Aufpreis zu zahlen ist, erhält das Einsatzunternehmen dafür einen erheblichen Mehrwert: nämlich die Flexibilität, den Einsatz auch kurzfristig - ohne Folgekosten! - wieder beenden zu können.

 

Zeitarbeit nimmt den Kunden erhebliche Risiken ab. Dieser Punkt wird durch die mittleren Szenario-Säulen im Vergleichsrechner illustriert. Auf die produktive Stunde gerechnet werden die Kosten für eine befristete Anstellung erheblich steigen, wenn z.B. das Arbeitsverhältnis während der Probezeit aufgelöst wird oder ein Arbeitnehmer für längere Zeit krank ausfällt. Als Zeitarbeitskunde braucht man sich um diese Risiken nicht zu sorgen: die Kosten für die produktive Stunde bleiben in allen Szenarien unverändert.

 

Zeitarbeit als attraktiver Rekrutierungskanal für die Unternehmen. Der Punkt "Zeitarbeit ist günstiger als gedacht" gilt nicht nur für den Einsatz selbst, sondern auch für Zeitarbeit als Rekrutierungskanal. Wenn - grober Daumen - Zeitarbeit und befristete Anstellung bei den Gesamtkosten ungefähr auf gleicher Höhe liegen, dann gilt das eben auch für Zeitarbeit als Rekrutierungskanal.  Zumindest dann, wenn nach längeren Einsätzen keine Übernahmeprovision mehr zu zahlen ist. Mit anderen Worten: wenn es zu einer Festanstellung kommt, war die über den Kanal "Zeitarbeit" (wenn überhaupt) nur unwesentlich teurer als ein in eigener Regie rekrutierter Arbeitnehmer. Und wenn es nicht zu einer Festanstellung kommt,  war Zeitarbeit mit all ihren Optionen ohnehin die bessere Alternative.

 

Ist das alles zu schön um wahr zu sein? Wie kann es ein Zeitarbeitsunternehmen schaffen, Risiken zu übernehmen, Flexibiltät herzustellen und einen Teil der Rekrutierungsarbeit für seine Kunden zu erledigen - und das alles zu fairen Preisen und mit einem eigenen Gewinn?

 

Es wird möglich durch Spezialisierung und aktive Disposition. Zeitarbeitsfirmen sind zunächst einmal Rekrutierungsspezialisten in ihrem regionalen Markt, immer mehr auch auf bestimmte Branchen und Qualifikationen spezialisiert. Dadurch können sie fokussiert und zu relativ geringen Kosten rekrutieren.

 

Der zweite Grund - aktive Disposition - folgt daraus, dass es eben nicht nach jedem Einsatzverhältnis zu einer Übernahme durch das Kundenunternehmen kommt. Im eigenen Interesse wird sich das Zeitarbeitsunternehmen dann um einen Folgeeinsatz bemühen - bei Fachkräften in der Regel erfolgreich - und dadurch kommt auf jeden rekrutierten Zeitarbeitnehmer im Schnitt mehr als ein Einsatz. Das ist bei kurzfristigen Arbeitsverhältnissen ein wichtiger “eingebauter” Kostenvorteil gegenüber den Kundenunternehmen.

 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Ihren Kunden wichtige Einsichten mit Hilfe des “Equal Pay Vergleichsrechners”!

Interessiert?

Ich freue mich über einen Anruf oder eine Mail.

Jochen Garbers

jocega Consulting

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